Material zur Ausgabe
Vitae philosophia dux - Philosophie in Rom
Die Übersicht über die Materialien folgt weitgehend der Gliederung der gedruckten Ausgabe:
1. Philosophische Haltungen bei Cicero, Seneca und Augustinus2. Die Philosophie der Griechen - Auf den Schultern von Giganten3. Die Philosophie kommt nach Rom - Epikur und Stoa
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Vorwort zur Ausgabe:
In der vorliegenden Ausgabe werden wichtige Texte zur Philosophie in Rom präsentiert. Im Mittelpunkt stehen Werke von Cicero und Seneca, die sich mit existentiellen Fragen der Lebensbewältigung beschäftigen. Dabei soll deutlich werden, dass die römische Philosophie auf griechischem Gedankengut aufbaut und vor allem ethische Aspekte der Philosophie in den Vordergrund rückt. Die Römer waren sich der Tatsache bewusst, dass sie auf den Schultern von Giganten stehen und ihre Philosophie ohne die Griechen nicht denkbar wäre. Gleichzeitig setzten sie sich mit den grundlegenden Gedanken der Griechen kreativ auseinander und suchten für ihre Fragen aktuelle Antworten. Seneca formuliert dieses Geben und Nehmen in seinem 64. Brief so:
Veneror itaque inventa sapientiae inventoresque; adire tamquam multorum hereditatem iuvat. (Daher verehre ich die Ergebnisse der Weisheit und ihre Entdecker. Gerne nähere ich mich ihnen gleichsam als dem Erbe vieler Menschen.)
Aus seiner Sicht ist aber Philosophie lebenslanges Lernen und in jeder Generation stellen sich die alten Fragen in neuem Licht und provozieren die Suche nach neuen und zeitgemäßen Antworten:
Multum adhuc restat operis multumque restabit, nec ulli nato post mille saecula praecludetur occasio aliquid adhuc adiciendi. Sed etiam si omnia a veteribus inventa sunt, hoc semper novum erit, usus et inventorum ab aliis scientia ac dispositio. (Es bleibt noch viel Arbeit, und es wird auch immer so sein, und auch dem, der nach unzähligen Generationen geboren wird, ist nicht die Möglichkeit genommen, noch etwas zu ergänzen. Doch selbst wenn alles schon von Früheren gefunden wurde, so wird eines doch immer neu sein, nämlich die konkrete Anwendung und zeitgemäße Nutzung dessen, was andere gefunden haben.)
Und so ist die Beschäftigung mit Philosophie stets aktuell und fordert auch heute eine Auseinandersetzung mit ihr.
Bei der Auswahl der Texte steht eine philosophiegeschichtliche Betrachtungsweise im Vordergrund: Das griechische Denken beginnt mit der Frage nach dem Ursprung der Dinge bei den Vorsokratikern. In der klassischen Periode holt Sokrates die Philosophie vom Himmel und bringt sie zu den Menschen. In den hellenistischen Philosophenschulen der Stoa und des Epikureismus wird das Individuum entdeckt, das nach einem erfüllten und glückseligen Leben sucht. Auf diesen Grundlagen baut die römische Philosophie in den Werken von Cicero und Seneca auf.
